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Agrar

„Wenn Agrarpolitik berücksichtigt, dass 1 ha 10.000 m2 sind, dann wäre das schon ein wesentlicher Beitrag zur Ideologiefreiheit!“

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Forst

"Forstwirtschaft ist gelebte Nachhaltigkeit, zumindest wenn die Politik waldbauliche Entscheidungen den Waldeigentümern überlässt!"

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Umwelt

"Umweltschutz ohne den Menschen zu denken ist wie Ökonomie ohne das Bewusstsein begrenzter Ressourcen leben zu wollen!"

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Kulturlandschaft

"Die Kulturlandschaft lebt aus einem Zustand der Harmonie von Schutz und Nutzung. Erst dadurch erlangt sie ihre Vollendung!"

Willkommen auf der Webseite von Gregor Beyer

Gregor Beyer ist Geschäftsführer des Forum Natur Brandenburg, eines Zusammenschlusses von mehreren Verbänden des ländlichen Raumes, die zusammen rund 100.000 Mitglieder repräsentieren und in rund 6.000 Betrieben und Vereinen über 1 Million Hektar Grundeigentum in Brandenburg bewirtschaften, hegen und pflegen.


Von 2009 bis 2014 war er Mitglied des Brandenburgischen Landtags. In dieser Zeit waren ihm vor allem Agrar- , Forst- und umweltpolitische Themen wichtige Anliegen, wie beispielsweise mehrere große Anfragen und parlamentarische Initiativen zur Situation des Waldes, seiner Bewirtschaftung, seines Nutzungspotentials, der forstlichen Lehre und der Forstpolitik in Brandenburg belegen. Aber auch viele Einzelfragen, vor allem im Rahmen des FFH- und Artenschutzes, wurden von ihm bearbeitet. So geht zum Beispiel die heutige „Biberverordnung“ des Landes auf eine seiner parlamentarischen Anträge zurück. Zudem war er Wirtschafts- und Flughafenpolitischer Sprecher seiner Fraktion und in dieser Funktion auch Mitglied des Sonderausschusses BER, dessen Gründung seinerzeit von ihm mitinitiiert wurde.


Aufgewachsen ist Gregor Beyer ursprünglich in Rheinland-Pfalz. Er studierte zwischen 1993 und 2000 an der damaligen Fachhochschule in Eberswalde zunächst „Landschaftsnutzung und Naturschutz“, später zusätzlich "Forstwirtschaft". Hauptberuflich war er viele Jahre für Umweltverbände und Stiftungen tätig. So leitete er unter anderem das Umweltbildungszentrum Blumberger Mühle bei Angermünde und war für die forstliche und jagdliche Verwaltung von Naturschutzflächen zuständig.


Gregor Beyer ist verheiratet und lebt mit der Familie in Eberswalde. In seiner Freizeit ist er vor allem als leidenschaftlicher Jäger bekannt. Er engagiert sich zudem ehrenamtlich in mehreren Vereinen und Verbänden, so unter anderem als Landesvorsitzender der „Schutzgemeinschaft Deutscher Wald“, und publiziert gelegentlich zu Landnutzungs- und Umwelthemen.

Aktuelles

Redebeitrag beim CIC Symposium „Jagd in Deutschland –wie wird sie in 30 Jahren aussehen?

von Gregor Beyer

„Jagd in Deutschland –wie wird sie in 30 Jahren aussehen?

Redebeitrag beim CIC Symposium *
„Jagd in Deutschland –wie wird sie in 30 Jahren aussehen?
von Gregor Beyer

Sehr geehrter Herr Fuhr, sehr geehrter Herr von Papen, sehr geehrter Herr Böckel,
sehr geehrte Abgeordnete, lieber Jörg Andreas,
meine sehr geehrten Damen und Herren!


So ist das manchmal im Leben! Da nimmt man sich vor, einer überaus spannenden Frage wegen, nämlich der Frage danach, wie die Jagd in Deutschland wohl in 30 Jahren aussehen wird, am heuti-gen Tage an dieser hochinteressanten Veranstaltung teilzunehmen. Und schon wird man beim Ein-treffen mit der Bitte konfrontiert, den Vortrag eines Referenten zu übernehmen, der kurzfristig ausgefallen ist. Das mache ich natürlich gerne, auch weil ich mich guten Gewissens dieser Bitte nicht hätte entziehen können. So habe ich in der Zeit, in welcher ich in parlamentarischer Verant-wortung gestanden habe, meinen Kollegen gegenüber gerne die Auffassung vertreten, dass ein Abgeordneter auch zur nachtschlafenden Zeit aus dem Tiefschlaf gerissen werden können muss, um dann die allgemein übliche Redezeit von 5 Minuten im Plenum unserer Parlamente zu jedem denkbaren Thema zu bestreiten. Allerdings muss ich sie diesbezüglich warnen. Denn beim letzten Fall dieser Art, habe ich eine Rede zu der Frage gehalten, ob der brandenburgische Landesadler im Plenum des Landtages in weißer oder in roter Farbe zu hängen hat. Im Nachgang zu dieser Rede schrieb eine große deutsche Tageszeitung, dass ich in meinen Ausführungen die Frage der Farbe des Landesadlers zu einer Frage von Leben und Tod erklärt hätte. Und was könnte geeigneter sein, um über Leben und Tod zu reflektieren, als über die Frage der Zukunft der Jagd in diesem unserem Lande.
Gerne übernehme ich diese Verpflichtung auch in meiner Eigenschaft als Geschäftsführer des Fo-rum Natur Brandenburg. Das Forum Natur Brandenburg ist eine Dachorganisation von verschiede-nen Verbänden im ländlichen Raum, die sich im vergangenen Jahr zusammengeschlossen haben. So sind im Forum unter anderem die Jäger, die Angler, die Fischer, die Bauern, die Waldbesitzer, die Grundbesitzer und viele andere mehr organisiert. Entstanden ist dadurch die größte Interes-sensvertretung in den ländlichen Räumen in Brandenburg, in welcher rund 100.000 Mitgliedern, in rund 6.000 Betrieben und Vereinen über eine Million Hektar Grundeigentum in Brandenburg be-wirtschaften, hegen und pflegen. Und unser Forum bewegt natürlich auch die Frage, wie denn die Landnutzung in 30 Jahren aussehen wird. So gehe ich dieser Frage unter dem Stichpunkt: „Jagd und Natur, ein Widerspruch oder können Jäger und Naturschützer an einem Strang ziehen und die Na-tur das Wild nachhaltig fördern?“, gerne nach. Ich möchte dieses systematisch anhand von fünf Thesen tun.
Die erste These möchte ich unter die Beobachtung stellen, dass wir uns in diesem Themenfeld oftmals mit wiederkehrenden Dingen beschäftigen. So musste ich mich heute Morgen auf der Fahrt nach Berlin daran zurück erinnern, dass ich vor vielen Jahren einmal eine ähnliche Rede im Rahmen des ersten Rotwildsymposiums der Deutschen Wildtier Stiftung unter die Aussage gestellt habe, dass man unser Tun in philosophischen Kategorien als „die Wiederkehr des ewig Gleichen“ bezeichnen könnte. Ich habe dies seinerzeit am Beispiel des Rotwildes dargelegt, welches damals gerade im Mittelpunkt des Interesses stand. Ich hob damals auf die hervorragende Monographie von Ferdinand von Raesfeld zum Rotwild ab. In der Einleitung zur Erstausgabe vor mittlerweile über 100 Jahren skizzierte seinerzeit von Raesfeld, dass das Rotwild wohl im Laufe der kommenden 30 Jahre aussterben würde. Und diese Aussage war nicht etwa eine rhetorische Figur, sondern von Raesfeld führte damals schwerwiegende Argumente für diese Prognose ins Feld.
Wie Sie jedoch alle wissen, kam es dazu nicht. Viel mehr machte das Rotwild viele Jahre später ei-nen erstaunlichen „Karriereschritt“. Zur besten Sendezeit, nämlich an Heiligabend 1971, mutierte das Rotwild durch die bekannten Bemerkungen von Horst Stern zum „großen braunen Rindenfres-ser“. Ab diesem Tag wurde uns gewahr, dass das Rotwild nicht nur nicht ausgestorben war, son-dern dass es sich, zumindest nach Darstellung vieler Akteure, zu einer wahren Problemtierart in Deutschland entwickelt hatte. Und wiederum 30 Jahre später, nämlich anlässlich jener besagten Tagung, bei welcher ich seinerzeit gesprochen habe, stellte die Deutsche Wildtier Stiftung die, wie ich bis heute finde, geradezu grandiose Frage, ob das Rotwild nicht mittlerweile ein Fall für die Rote Liste geworden sei. Eine Frage, die lange überfällig den Fokus auch auf die Sinnhaftigkeit unserer sogenannten roten Listen lenkte!
Diese Erinnerungen führen mich auch heute wieder auf die „Lehre des ewig Gleichen“ zurück. Ich muss Ihnen gestehen, dass ich keine hinreichend genaue Vorstellung davon habe, wie die Welt in 30 Jahren aussehen wird. Sicher weiß ich nur, es wird wohl eine andere Welt sein als heute! Ob sie sich deshalb allerdings auch tatsächlich verändert haben wird, das ist eine spannende Frage, die wir vielleicht bei unseren Überlegungen und dem Blick in die Glaskugel nicht ganz außer Acht lassen sollten!
Die zweite These ist mehr eine Frage und sie beschäftigt sich mit dem Titel des Themenblockes, unter welchem ich vortrage. Dieser lautet: „Jagd und Natur, ein Widerspruch? Oder können Jäger und Naturschützer an einem Strang ziehen?“ Ich persönlich glaube, dass das Problem bereits in genau dieser Formulierung zum Ausdruck kommt. Denn wenn man einen berühmten Satz des amerikanischen Umweltphilosophen und Begründers der modernen Wildbiologie, Aldo Leopold, zugrunde legt, nach dem Naturschützer traditionell für ihre Zerstrittenheit bekannt sind, so wird alleine dadurch schon deutlich, dass es Jäger auf der einen und Naturschützer auf der anderen Sei-te in dieser Vereinfachung definitiv nicht gibt. Die Einordnung in die Kategorien Jäger und Natur-schützer entspringt der menschlichen Leidenschaft, nebenbei gesagt insbesondere einer deut-schen Leidenschaft, das Chaos zu beherrschen, indem man es ordnet. So kommt es, dass wir dazu neigen, die eine Gruppe von Menschen in die Schublade Jäger, und die andere Gruppe in die Schublade Naturschützer einzuordnen. Wie problematisch das ist, hat uns in der vorangegangenen Diskussion Herr Onkelbach mit einem kurzen Einwurf deutlich gemacht. Ich gestehe gerne, dass ich diesen Einwurf als größtes Kompliment auffasse, welches mir in der Zeit, seit ich Geschäftsführer des Forums Natur bin, gemacht wurde. Denn Herr Onkelbach hörte in der Einführung den Organi-sationsnamen „Forum Natur Brandenburg“ und sprach mich daraufhin in der Debatte mit „der Na-turschützer aus Brandenburg“ an. Das freut mich sehr, denn so verstehen wir uns gerade auch in einem Forum von Landnutzern. Gleichzeitig macht es aber auch deutlich, dass die ein oder andere Schublade, an die wir uns gewöhnt haben, so nicht trägt.
Die dritte These möchte ich als Frage formulieren: „Wer entscheidet eigentlich über die Jagd?“ Auch diese Frage illustriere ich mit einem Verweis auf Ferdinand von Raesfeld. Auf dessen Grab-stein auf dem Darß ist ein Satz zu lesen, den viele von ihnen kennen werden: „Und wenn's nicht mehr ums Jagen wär, als früh im Wald zu streifen!“ Dieser Satz ist unter anderem geeignet, um ein wesentliches Problem deutlich zu machen. Als von Raesfeld diesen Satz vor deutlich über 100 Jah-ren aussprach, da waren es nämlich die ländlichen Räume, die darüber befunden haben, wann und wo und unter welchen Bedingungen wir zur Jagd gehen. Heute jedoch hat sich dies vollständig ge-ändert. Heute ist es der urbane Raum, der darüber entscheidet, ob wir überhaupt im Wald streifen können. Und dies macht deutlich, dass sich sowohl die Frage des wer, als auch die Frage, wie viele über solche Fragen entscheiden, verändert haben. Ich möchte diesbezüglich auf das gerade abge-schlossene Volksbegehren in Brandenburg zum Thema Massentierhaltung verweisen. Nach die-sem erfolgreichen Volksbegehren steht momentan die Frage im Raum, ob rund 5 % der wahlbe-rechtigten Brandenburgerinnen und Brandenburger vom Landtag verlangen können, dass der Landtag in dieser Frage gesetzliche Veränderungen herbeiführt. So verlangen die Initiatoren bei-spielsweise von der Vertretung des Souverän, dass er die Verbandsklage auch auf die Tierschutz-verbände ausweitet. Die Frage, ob das demokratietheoretisch überhaupt gerechtfertigt ist, wird auch daran deutlich, dass die 100.000 Mitglieder des Forum Natur, und damit eben auch 5 % der wahlberechtigten Brandenburgerinnen und Brandenburger, diese Frage geschlossen verneinen. Und wenn ich hier den Abgeordneten Benjamin Raschke im Publikum sitzen sehe, er wird nachher ja auch noch zu uns reden, so stelle ich mir die Frage: „Wem wollen die Abgeordneten des Bran-denburger Landtages folgen? Welche 5 % der Bevölkerung sind relevant und wie beurteilen sie die 90 % der Wahlberechtigten, die sich bislang zu diesem Thema nicht geäußert haben?“ Und ähnlich ist es übrigens auch mit der Aktion „Nature Alert“, die wir gerade kürzlich im Kontext der Frage er-lebt haben, ob wir die sogenannte FFH-Richtlinie novellieren wollen. Wie ist es zu werten, wenn sich über Nacht Umwelt-NGOs auf einer Internetplattform zusammenschalten und innerhalb kür-zester Zeit eine halbe Millionen Stimmen generieren, die vollautomatisiert ein letztlich vorgegebe-nes und auf eine „Ja/Nein-Antwort“ reduziertes Votum abgeben? Welche Bedeutung haben 500.000 Menschen im gesamteuropäischen Kontext? Und so frage ich mich in der Tat, wer steht da eigentlich wem gegenüber? Steht den Umwelt-NGOs die Jagd gegenüber? Oder müsste den Um-welt-NGOs nicht vielmehr die Phalanx unserer Landnutzer gegenüberstehen? Müssen sich nicht die Landnutzer endlich zusammenfinden und wieder eine Grundgesamtheit bilden, die dazu führt, dass sie den Umwelt-NGOs auf Augenhöhe gegenübertreten können?
Meine vierte These beschäftigt sich mit der Frage: „Was schützen wir eigentlich? Schützen wir nicht das Falsche? Ich möchte dies nur ganz kurz an einem Beispiel deutlich machen. Wenn Sie sich mit jener besagten FFH-Richtlinie beschäftigen, dann werden Sie feststellen, dass deren Ziel unter an-derem darin liegt, den „günstigen Erhaltungszustand natürlicher Lebensräume“ herzustellen. Nur stellt sich die Frage, was ist das eigentlich für ein Ziel, wenn eine EU-Richtlinie etwas schützen will, was es bei Lichte betrachtet in Europa und in Deutschland so gar nicht gibt. Denn das, was es zu schützen gilt, gerade auch unter dem Gesichtspunkt der jagdlichen Nutzung, sind keine natürlichen Landschaften, sondern es sind Kulturlandschaften. Und genau hier stellt sich die Frage der Ge-meinsamkeit von Jagd und Naturschutz. Wie kann diese Gemeinsamkeit aussehen, wenn der Na-turschutz natürliche Landschaften herstellen, oftmals über das Instrument von Totalreservaten, oder aber zumindest schützen will, sich die Jagd aber eben in Kulturlandschaften bewegt und be-wegen muss? Ich glaube daher, dass, wenn es eine Gemeinsamkeit zwischen Naturschutz und Jagd geben soll, dann müssen die Umweltverbände zunächst für sich selbst erkennen, dass das, was sie schützen wollen, unsere durch die Nutzung entstandenen Kulturlandschaften sind. Der „urbane Öko-Traum“ von natürlichen Landschaften ist dabei überaus hinderlich.
Meine fünfte These lautet: „Wir gehen dem vermeintlichen Naturschutz selbst auf den Leim!“ Was meine ich damit? Wir müssen zunächst erkennen lernen, dass die deutschen Umwelt-NGOs hoch-professionelle Organisationen sind, die ganz bestimmte Interessen verfolgen. Um es deutlich zu sagen: Das ist legitim, Punkt! Und mehr muss man dazu eigentlich nicht sagen. Aber man muss eben daraus die einzig relevante Frage ableiten, die da lautet: „Wie werden wir die Besseren?“
In der Tat ist die Antwort darauf ein weites Feld. Sie fängt bei unserer unterentwickelten Kampag-nenfähigkeit an, sie geht weiter über die Frage, welche Bilder wir projizieren und erstreckt sich auf die Frage, welche Interessensgruppen wir zukünftig erreichen müssen. So müssen wir beispiels-weise lernen, dass wir nicht die Bewohner der ländlichen Räume im Schwerpunkt überzeugen müssen, sondern dass wir viel stärker auf den urbanen Raum abstellen müssen. Alles dies muss dazu führen, dass wir nicht mehr den Kampagnen der Umwelt-NGOs hinterherrennen, sondern endlich wieder anfangen, unsere eigenen Themen zu setzen. Übrigens, was die Frage der Themen anbelangt, so will ich kurz auf eine Frage antworten, die hier heute bereits mehrfach im Raum ge-standen hat, nämlich die Frage, ob Jagd Nutzung oder Regulation ist. Ich halte diese Frage für weit-gehend irrelevant und wir sollten sie uns erst gar nicht aufdrängen lassen. Denn das, worum es geht, ist die Tatsache, dass Jagd die Wahrnehmung und die Ausübung unseres Eigentumsrechtes darstellt. Und auch das müssen wir zukünftig wieder viel deutlicher, am sinnvollsten unter dem Begriff der „Dienstleistung“ für Eigentum und Gesellschaft, in den Vordergrund stellen.
Die Veranstaltung stellt die Frage, wie die Welt in 30 Jahren aussieht und wie wir in 30 Jahren jagen werden. Ich muss offen gestehen, dass ich nicht in der Lage bin, diese Fragen abschließend zu be-antworten. Sicher ist nur, dass die Welt kein perfekter Ort ist und auch in 30 Jahren nicht sein wird. Aber mit unserer Hilfe, mit Hilfe der Jäger und aller anderen Landnutzer, könnte sie besser wer-den! Allerdings gehören dazu Mut und Optimismus und vor allem sehr viel Selbstbewusstsein! Und genau dieses wünsche ich Ihnen für die kommenden 30 Jahre!

*Dieser Redebeitrag wurde beim CIC Symposium der Young Opinion durch den Geschäftsführer des Forum Natur Brandenburg, Gregor Beyer, unter dem Themenblock: „Jagd und Natur, ein Widerspruch? Oder können Jäger und Naturschützer an einem Strang ziehen?“ gehalten. Die Veranstaltung fand am 27.02.2016 in der RWE-Repräsentanz in Berlin statt. Durch unerwarteten Ausfall hatte sich der Referent am Morgen der Veranstaltung bereit erklärt, das Statement zu übernehmen. Der Text ist eine sprachlich korrigierte und bereinigte Transkription eines Tonbandmitschnittes.

 

Interview in der BDFaktuell 7/8.2015

von Gregor Beyer

Das folgende Interview ist in der BDF aktuell Ausgabe 07.2015 erschienen:

Gregor Beyer war 20 Jahre lang in unterschiedlichen Funktionen für den NABU tätig. Von 2011-2014 war der Forstingenieur Landesvorsitzender der FDP in Brandenburg. Er kennt also alle Beteiligten des Konflikts aus deren speziellem Blickwinkel. BDF aktuell hat ihn deshalb zu den Konflikten zwischen Naturschutzverbänden und Naturnutzern befragt.


BDF aktuell: Die Naturschutzverbände, vor allem die sogenannten „Big Five“ Greenpeace, NABU, BUND, WWF und DNR“, haben in der Öffentlichkeit und vor allem in der Politik mittlerweile sehr großen Einfluss. Die Verbände der Forstwirtschaft wie auch die anderer Naturnutzer (Landwirtschaft, Jagd usw.) haben einen deutlich schlechteren Stand. Was macht die Lobby der Forstwirtschaft nach Ihrer Wahrnehmung eigentlich falsch?

BEYER: Das ist ein extrem weites Feld und bedürfte eigentlich einer sehr umfänglichen Antwort. Kurz gesagt muss man feststellen, dass die Landnutzer, allen voran die Agrarwirtschaft und die Forstwirtschaft, historisch betrachtet aus einer Position der Stärke heraus gestartet sind. Die Welt hat sich allerdings in den letzten rund 60 Jahren extrem verändert. Denken Sie beispielsweise nur an den Bedarf von Arbeitskräften auf Basis von Axt und Schrotsäge auf der einen und dem Harvester auf der anderen Seite. Alles dies hat zu extremen gesellschaftspolitischen Veränderungen in der Bedeutung urbaner und ländlicher Räume geführt. Die Umweltverbände sind in diesem Zeitraum weitgehend erst entstanden und gewachsen, haben sich perfekt vernetzt, haben hochmoderne Kommunikations- und Kampagnenstrategien aufgebaut und anwenden gelernt, während die Landnutzer jeder für sich alleine nur hinterherhecheln und Rückzugsgefechte führen. Wir reagieren seit Jahren nur noch, anstatt zu agieren! Nehmen Sie nur das aktuellste Beispiel, die Kampagne „Nature Alert“ im Rahmen des EU-Fitness Checks. Innerhalb weniger Tage schalten sich 90 europäische Umweltverbände mit modernster Technik zusammen und generieren eine Viertelmillion Stellungnahmen! Fachlich übrigens am Rand der Peinlichkeit! In der politischen Wirkung aber schlicht genial! Und die Landnutzer: Überrascht, überfordert, überrannt! Und das bei einem Thema, welches spätestens seit Mitte letzten Jahres in den Arbeitsplanungen hätte stehen müssen! Nein, wir haben immer noch die Axt und die Schrotsäge in der Hand und sind ganz verwundert, dass im Nachbarbestand Motorsägen aufheulen!


BDF aktuell: Kann man bei dem Professionalisierungsgrad bei den Umweltverbänden eigentlich noch von „NGO“ (Nicht-Regierungs-Organisation) reden?

BEYER: Dass sich Organisationen, gleich welcher Art, um eine permanente Professionalisierung bemühen, ist zunächst eine Selbstverständlichkeit. Die Frage ist aber, bei gemeinnützigen NGO umso mehr, ab wann vermeintliche Professionalisierung in eine Unternehmenskultur umschlägt, bei der man nicht mehr für die eigenen Werte lebt, sondern nur noch für den Profit! Und hier sehe ich in der Tat bei einigen unserer NGO, die sich immer mehr zu reinen „Umweltkonzernen“ mit erheblichem eigenwirtschaftlichem Interesse entwickeln, eine deutliche Schieflage. Wir Landnutzer müssen aber endlich damit aufhören, dem „Gut-Menschen-Image“ der Umweltverbände selbst auf den Leim zu gehen. Die Umweltverbände sind hochprofessionelle Organisationen mit ganz konkreten Interessen –das ist legitim, Punkt! Die einzige Schlussfolgerung die daraus zu ziehen ist lautet: „Wir müssen auf der Basis unserer Werte besser sein!“


BDF aktuell: Es gibt ja auch immer wieder kritische Stimmen zur Art der Geldbeschaffung und zum Umsatzvolumen der Naturschutzverbände sowie zum Verhältnis des Einsatzes von Spenden und Erbschaften zwischen Verwaltungsaufwand und tatsächlichen Naturschutzleistungen. Ist diese Kritik berechtigt?

BEYER: Grundsätzlich hätte ich als Spender die Erwartungshaltung, dass ein Großteil der Gelder, die gemeinnützige Umweltorganisation einwerben, auch für die originäre Naturschutzarbeit eingesetzt wird. Dass dieses bei einigen Verbänden offenbar nicht so ist, zeigen aktuelle Beispiele, bei denen die Rückflussquote bei unter 25 % liegt. Für noch wichtiger halte ich in diesem Kontext allerdings die Frage, ob die entsprechende Organisation die Mitteleinwerbung und den Mitteleinsatz an ihren originären Zielen orientiert, oder sich vom Applaus ihrer finanzierenden Zuschauermenge abhängig macht. Hier beobachten wir momentan krasse Missverhältnisse. Das fängt beim Thema „Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen“ an und geht bis zum weiten Feld der Windenergie.


BDF aktuell: Sehr häufig bekommen die Naturschutzverbände auch Zuwendungen aus öffentlichen Kassen. Institutionelle Förderungen durch öffentliche Mittel sind ja eher kritisch zu sehen. Deshalb werden diese Finanzierungen oft als Projekte definiert, die zeitlich befristet sind. Oft – so der Eindruck- schließen sich jedoch kettenartig Anschlussprojekte an. Hat das System?

BEYER: Ich bin nicht grundsätzlich der Auffassung, dass wir institutionelle Förderung kritisch sehen müssen. Wenn diese in einem gewissen Rahmen bleibt, macht es sogar Sinn tatsächlich dem Gemeinwohl dienende Aufgaben zumindest institutionell zu flankieren. Nur gibt es in unseren öffentlichen Haushalten eine solche institutionelle Förderung so gut wie nicht mehr und wir haben stattdessen den gigantischen Haushaltsposten der Projektförderungen geschaffen. Das hat politisch übrigens vor allem etwas mit dem Umstand zu tun, dass heute fast alles, was wir fördern, mit EU-Mitteln teilfinanziert wird. Hier setzt dann sehr oft das Spiel ein, die eigene Organisation quer zu finanzieren, frei nach dem Motto: „Kalkuliere den berechtigten Projektanteil auf das Doppelte des eigentlichen Aufwandes und mache damit die Hälfte „Gewinn“ für anderes“. Hinzu kommt, dass man bei so manchen Projekten die Unabhängigkeit einer NGO hinterfragen sollte. Wenn beispielsweise mit Beginn eines EU Fitnesschecks eine deutsche Behörde ein Projekt zur politischen Koordination auf EU-Ebene finanziert, dann hat das wenig mit einem fachlich berechtigten Projekt, aber viel mit versteckter politischer Finanzierung zu tun.


BDF aktuell: Handeln die Naturschutzverbände und teilweise mit diesen verbandelten Naturschutzstiftungen eigentlich schlüssig und stringent? Vielen Forstleuten und Waldbesitzern stößt zum Beispiel sauer auf, dass diese ihre eigenen Waldflächen überhaupt nicht zertifizieren, obwohl sie dort munter Holz in bedeutender Größenordnung einschlagen. Auf der anderen Seite verlangen sie aber weiterhin Verschärfungen der Zertifizierungsstandards. Wie bewerten Sie das und gibt es noch weitere Beispiele für solch fragwürdiges Verhalten?

BEYER: Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass mein persönliches Zweifeln an unseren Umweltverbänden viel mit dem Thema Zertifizierung naturschutzeigener Flächen zu tun hat. Ich habe die Umweltverbände ja selbst viele Jahre unter anderem im Richtlinienausschuss des FSC vertreten und bin bis heute ein klarer Befürworter der Idee einer freiwilligen Waldzertifizierung. Man kann aber von Waldeigentümer nicht politisch verlangen, was man selbst als Eigentümer nicht bereit ist umzusetzen. Und genau das haben wir nach 2001 mit den Tranchen des „Nationalen Naturerbe“ erlebt. Als die Umweltverbände selbst in Größenordnungen zu Waldeigentümern wurden, da drehte sich die Interessenslage auf einmal und man wollte von der politisch geforderten Pflicht zur Waldzertifizierung nichts mehr wissen. Die nicht gerade unerhebliche Holznutzung auf eigenen Flächen wurden kurzerhand zu „schutzgebietseinrichtenden Maßnahmen“ erklärt. Ich wünsche mir bis heute eine NGO zu erleben, die auf ihren Eigentumsflächen den Beweis antritt, dass das, was sie politisch von anderen fordert, auch wirtschaftlich funktioniert. Oder aber gerne auch eine, die erklärt, dass man an der einen oder anderen Stelle in praktischer Unkenntnis zu weit gegangen ist, das wäre ja auch ehrenhaft. Bislang höre ich allerdings eher etwas von im Hochwasser ertrunkenen Pferden und gerade letzte Woche von ausgebrochenen Rindern, die erschossen werden mussten. Wenn man sich vorstellt, wie ein privater Grundeigentümer von genau jenen Verbänden politisch durchs Dorf getrieben worden wäre, dann muss man anfangen zu zweifeln!


BDF aktuell: Wenn man die Anzahl der hauptamtlich Beschäftigten bei den Naturschutzverbänden und den Landnutzern in den Landeshauptstädten, in Berlin oder Brüssel zusammenzählt, kann dann überhaupt von Waffengleichheit die Rede sein?

BEYER: Nun ja, wenn man die Personalstärke verschiedener NGO`s zusammen addiert, dann kommt man mittlerweile zu erstaunlichen Ergebnissen, die deutlich machen, dass wir von einer Waffengleichheit weit entfernt sind. Allerdings sollte man auch nicht ganz vergessen, dass Geschichte ziemlich langweilig wäre, wenn Truppenstärke gleich Kampfkraft bedeuten würde! Ich glaube, wir sollten uns weniger mit der Truppenstärke anderer beschäftigen als mit der Frage, wie wir unsere Schwächen in Stärken zurückverwandeln. Wenn die Landnutzer endlich anfangen würden, ihr wahres Potenzial zu erkennen und zu aktivieren, dann würden sie auch wieder die Initiative zurückgewinnen. Wir brauchen im ersten Schritt gar nicht den großen Truppenaufmarsch, sondern vor allem die Mobilität und Kreativität kleiner Partisanenverbände.
Übrigens steckt darin noch ein anderer Aspekt, denn der Konflikt zwischen Landnutzern und Umweltverbänden ist eigentlich ja nicht nur überflüssig, sondern insgesamt sogar unverständlich. Er kommt aber auch dadurch zustande, dass uns die Umweltverbände gar nicht mehr ernst nehmen. Wer ernst genommen werden will, der muss aus einer Position der Stärke heraus agieren, die müssen wir zurückgewinnen, dann erledigen sich auch manche Konflikte von selbst.


BDF aktuell: Sind die Naturschutzverbände vor dem Hintergrund ihrer strategischen Ausrichtung überhaupt an Konsenslösungen interessiert?

BEYER: Das habe ich zugegebenermaßen über weite Strecken meines beruflichen Lebens geglaubt oder zumindest gehofft. Heute sehe ich das allerdings sehr differenziert. Denn bei Lichte betrachtet, bedeutet eine Problemlösung oder gar eine Konsenslösung für die Naturschutzverbände immer die Zerstörung ihres Geschäftsmodells. So hart wie sich das anhören mag, aber die Naturschutzverbände leben von den Problemen in dieser Welt, nicht von deren Lösungen. Nur ein böser Waldbesitzer ist ein guter Waldbesitzer, denn nur er begründet die Notwendigkeit einer Spende, um gegen ihn kämpfen zu können. Wobei ich ausdrücklich differenzieren möchte zwischen sehr vielen hochengagierten Basismitgliedern, die eine hervorragende und absolut anerkennenswerte Arbeit machen. Und auf der anderen Seite wenigen Funktionäre, die man auch nicht verallgemeinern darf, bei denen es einigen aber schlicht egal ist, was sie verkaufen. Das Problem unserer Umweltverbände sind nicht die Verbände selbst, die brauchen wir auch weiterhin, dass Problem ist deren Entfremdung von ihren ursprünglichen Zielen.


BDF aktuell: Handelt es sich bei dem Konflikt auch um einen grundsätzlichen Konflikt zwischen ländlichem Raum und urbaner Bevölkerung?

BEYER: Wir steuern leider mit riesigen Schritten auf einen solchen Konflikt zu und momentan merkt noch keiner so richtig, dass es keine urbanen Räume ohne die ländlichen geben wird und umgekehrt. Wir haben diesbezüglich nach meiner festen Überzeugung eine der großen Zukunftsaufgaben vor uns, bei der wir Fragen bis hin zu einer Neuordnung der Finanzströme klären müssen. Das Hauptproblem welches dahinter steht, ist die Entfremdung von der Primärproduktion. Diesbezüglich haben wir bis heute keine schlüssigen Antworten gefunden, erkennen aber gottlob endlich, dass es mit ein paar Euro mehr in der Umweltbildung sicherlich nicht gelingen wird! Ich würde den Landnutzern dringend empfehlen hier schnellstmöglich in eine intensive und interdisziplinäre Debatte einzusteigen. Ich habe noch keine Lösung, bin aber überzeugt, dass wir die dringend brauchen.


BDF aktuell: Warum verfängt die Strategie der Naturschutzverbände speziell in den urban geprägten Milieus? Wie müssen die Forstverbände darauf reagieren und welche Rolle sollte der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) dabei Ihrer Meinung nach spielen?

BEYER: Das wiederum kann man ganz einfach beantworten! Die Naturschutzverbände machen eine knallhart am urbanen Raum, dessen Interessen und dessen Milieus ausgerichtete Klientelpolitik, während ich die Landnutzer gerne mit dem Bauern vergleiche, der nur, wenn es gar nicht anders geht, mal schnell zum Einkaufen in die Stadt fährt. Das ist wie mit meinem Lieblingssatz von Ferdinand von Raesfeld: „Und wenn`s nicht mehr ums Jagen wär, als früh im Wald zu streifen!“ Das Gefühl, das hinter der Aussage steckt, eint uns Landnutzer alle. Aber als Raesfeld diesen Satz vor hundert Jahren schrieb, haben noch die ländlichen Räume über die städtischen Räume bestimmt. Der Kampf um die Möglichkeit zum morgendlichen Streifen in unseren Wäldern wird heute in den Städten geführt und entschieden und nicht auf dem Land! Und ich wähle dieses Zitat übrigens auch deshalb gerne, weil es ein sehr emotionales ist. Wir müssen endlich aufhören, völlig verkopft und fachlich theoretisch an die Sachen ranzugehen. Wir müssen niemandem unsere hochkomplizierten Waldbaumodelle erklären, es langt völlig, wenn wir die selbst verstehen. In der Politik spielt Fachliches sowieso keine allzu große Rolle, mit Waldbaumodellen können sie Angeordnete höchstens langweilen. Wir müssen den Menschen mit einfachen Bildern und mit Emotionen wieder klar machen, dass wir die Macher sind, die es möglich machen, dass sie in den urbanen Räumen wohlversorgt leben können. Momentan glauben sie eher den Umweltverbänden, dass wir die Bösen sind! Und warum? Weil sie es mit einfachen Bildern täglich gezeigt bekommen!


BDF aktuell: Kann die Lobby der Forstwirtschaft von den Naturschutzverbänden sogar etwas lernen?

BEYER: Ich habe in früheren Jahren bei Vorträgen unter Förstern und Jägern gerne mit dem Einstiegskalauer provoziert: „Von Naturschützern lernen, heißt siegen lernen!“ Das war damals dann meist einer der Momente, wo gleich zu Beginn die Temperatur im Raum deutlich anfing zu steigen. In letzter Zeit stelle ich immer häufiger fest, dass dieser Kalauer eher zu einem verschämten Nicken in weiten Teilen der Zuhörerschaft führt. Ich sage daher: Ja, wenn wir „lernen“ nicht mit einem einfachen „Kopieren“ verwechseln, das würde nicht funktionieren. Aber alles muss damit beginnen, dass wir jeden Morgen beim Blick in den Spiegel mit der Aussage beginnen: „Wir sind die Guten“! Und direkt danach müssen wir uns klar machen, dass das wichtigste Wort von diesen vier das WIR ist. Die Landnutzer in ihren ganz unterschiedlichen Ausrichtungen, ob Bauer, Förster, Jäger, Fischer und vor allem ganz allgemein Eigentümer, werden zusammen gewinnen oder zusammen verlieren! Und wenn einer oder mehrere von uns zusammen ein Bier trinken, dann muss immer klar sein: „Der Gegner steht außerhalb des Raumes!“


BDF aktuell: Wie schon angedeutet, betrifft der Konflikt nicht nur den Wald und die Forstwirtschaft sondern auch andere Formen der Landnutzung. Können hier strategische Allianzen in Zukunft hilfreich sein und wie könnten diese aussehen?

BEYER: Nicht hilfreich –sondern essentiell! Das Schlimmste, was ein Förster tun kann, ist nur bis zum Waldrand zu denken! Allerdings sind die Probleme zwischenzeitlich viel zu groß, um nur mal hier und da ein bisschen miteinander zu reden. Ich habe mit großer Freude gehört, dass das „Aktionsbündnis Forum Natur“ nach einigen Jahren endlich stärker aktiviert werden soll. Und es ist ja sicher auch nicht verborgen geblieben, dass wir auch in Brandenburg in dieser Richtung unterwegs sind. Wir brauchen zukünftig eine klar koordinierte und strategisch wie taktisch abgestimmte Zusammenarbeit der Landnutzer. Dabei müssen wir unsere vermeintliche Schwäche, nämlich die Vielfalt teils unterschiedlicher Interessen und Positionen, unter den gemeinsamen Schnittmengen zusammen führen. Unsere Vielfalt kann unsere Stärke sein, wenn wir endlich dahin kommen, dass wir auch weiterhin getrennt über verschiedene Flügel marschieren, aber immer vereint schlagen! Das bedeutet noch viel Arbeit und vor allem die Überwindung so mancher fast zur Tradition gewordener Egoismen. Aber seit März dieses Jahres, seit ich 15.000 Jäger über den Rhein habe marschieren sehen, habe ich wieder Hoffnung!


Eberswalde, den 06.06.2015

Interview mit der Deutschen Jagdzeitung (DJZ) 12.2014

von Gregor Beyer

DJZ: Herr Beyer, Sie kennen sich mit Verbandsarbeit aus. Sie waren 20 Jahre für den Naturschutzbund Deutschland (NABU) tätig. 10 Jahre leiteten Sie erfolgreich das Natur-Erlebniszentrum Blumberger Mühle bei Angermünde und fungierten beim NABU als jagdpolitischer Sprecher. Gab es da keine Konflikte mit Ihrer Passion für die Jagd?


BEYER: Einer meiner ersten verbandspolitischen Entscheidungen, an denen ich seinerzeit maßgeblich mitbeteiligt war, war das Zustandekommen der sogenannten „Erklärung Gut Sunder von DJV und NABU“. Darin erklärten seinerzeit die beiden Präsidenten, Baron Heeremann und Jochen Flasbarth unter anderem: „NABU und DJV erkennen die Berechtigung der Jagd als traditionelle Form der Landnutzung (Nutzung natürlicher Ressourcen) nach den Grundsätzen moderner, naturverträglicher Wildhege an und sprechen sich grundsätzlich für eine nachhaltige Nutzung in der Land-, Forst-, Wasser- und Fischereiwirtschaft sowie in der Jagd aus“! Wir haben es damals geschafft, man glaubt es nach den aktuellen Erklärungen des NABU heute kaum noch, dass das seinerzeit gemeinsamer gelebter Konsens zwischen den Verbänden war. In Brandenburg gab es damals sogar einen gemeinsamen Landesfachausschuss von NABU und LJV, in dem man sich fachlich wie politisch abstimmte.
Damals war es im NABU sogar ausdrücklich gewünscht, dass sich die Jagdscheininhaber intensiv in den Verband einbrachten. Die damalige Bundesarbeitsgemeinschaft Wald und Wild war eine der einflussreichsten im Verband und lebte den DJV/NABU Grundsatz; wir sprachen vom „Geist Gut Sunder“ dem wir uns verpflichtet fühlten. Natürlich mussten wir unsere Positionen durchsetzen, und die eine oder andere Schlacht haben wir dabei auch verloren. Ich denke da beispielsweise an das damalige jagdpolitische Grundsatzpapier des NABU, in welchem uns die Bundesdelegiertenversammlung die Liste der jagdbaren Arten zusammenstrich, nachdem eine kleine Gruppe von Ideologen in letzter Minute Stimmung gegen unseren ursprünglichen Antragstext machte. Damals war die „Gruppe der Jäger im NABU“ mit Sicherheit von dem ein oder anderen kritisch beäugt, aber dennoch eine feste und einflussreiche Größe im Verband! Leider ist davon heute nicht mehr viel geblieben!

DJZ: Die großen Naturschutzverbände haben sich öffentlich viel Gehör verschafft und bestimmen bei dem Thema die Politik mit. Die Jagdverbände haben da einen deutlich schlechteren Stand. Was machen die Jagdverbände nach Ihrer Ansicht verkehrt?


BEYER: Ja, das ist leider so und treibt mich seit Jahren um! Auch wenn das ein extrem weites Feld ist, so liegt der Hauptgrund dafür vor allem in der hoch professionellen politischen Lobbyarbeit bei gleichzeitiger perfekter Vernetzung der deutschen Umweltverbände. Während die Landnutzerverbände es seit Jahren nicht schaffen, ihre unterschiedlichen Interessen zu bündeln und mit einer Stimme zu sprechen, spielen die Umweltverbände seit Jahren ein minutiös koordiniertes Spiel über Bande mit perfekt verteilten Rollen. Das basiert auf der Abstimmung der Präsidenten im strategischen Bereich und geht weiter mit der taktischen und operativen Koordination auf der Ebene der Geschäftsführer. Dabei werden die Claims abgesteckt, und selbst wenn sich die Verbände scheinbar widersprechen, steckt auch dann ein Plan dahinter.
Hinzu kommt, dass der traditionelle Begriff „NGO“ auf die Umweltverbände nur noch bedingt zutrifft. Eigentlich handelt es sich längst um „Umweltkonzerne“ mit erheblichen eigenwirtschaftlichen Interessen und bester Vernetzung in die Politik und auch in die Wirtschaft. Flankiert wird das mit einer perfekten „Kampagnenfähigkeit“, etwas, was die Landnutzerverbände und auch die Jagd bis heute nicht professionell entwickelt haben! Zudem betreiben die Umweltverbände aktive Lobbypolitik, währen die Landnutzer in der Regel nur passive Lobbypolitik fahren, d. h. sie reagieren meist nur auf das, was aus Politik und Gesellschaft kommt.
Nehmen Sie nur das Beispiel der Flächenübertragungen an die Umweltverbände, die mittlerweile zu den größten Landeigentümern in Deutschland gehören: Perfekt politisch eingefädelt, während es die Landnutzer, leider auch der DJV und vor allem die Landesjagdverbände nicht hinbekommen haben, rechtzeitig genug eigene Stiftungsstrukturen aufzubauen um in diesen „Markt“ ebenfalls einzubrechen.
Ich würde mir den Vergleich erlauben, die Umweltverbände sitzen mit einer Repetierbüchse auf dem politischen Drückjagdstand und wir Landnutzer jammern darüber, dass wir für unseren Vorderlader keine bleifreie Munition mehr bekommen. Über das unterschiedliche Streckenergebnis dürfen wir uns dann auch nicht wundern! Aber über den politischen Vorderlader sollten wir dringend mal nachdenken!

DJZ: Wir erleben einen Machtkampf zwischen Naturschutz und Jagd. Will der Naturschutz auch rechtlich die Jagd unterordnen, um dann von oben die Regeln festzulegen? Die neuen Positionspapiere von NABU und BUND sind so ausgerichtet.


BEYER: Ja, zweifelsohne ist das eine der strategischen Kampflinien, die die Umweltverbände immer deutlicher verfolgen. Dass zwischenzeitlich NABU und BUND Allianzen mit Gruppierungen eingehen, die vor Jahren noch tabu waren und selbst in NABU-Kreisen als Spinner galten, zeigt das auch sehr deutlich. Leider muss man die aktuellen Positionspapiere des NABU als weitgehende „Kriegserklärung“ an die Jagd auffassen, und die letzte Presseerklärung von Olaf Tschimpke zur „Umweltverträglichkeitsprüfung der Jagd“ ist auch gesellschaftspolitisch eine Unverschämtheit. Die eigenen Wälder des NABU werden nicht FSC-zertifiziert, obwohl der Verband dieses Siegel von den Waldbesitzer fordert; aber von den Jägern wird eine Umweltverträglichkeitsprüfung verlangt. Die Frage ist viel mehr, wo die Umweltverträglichkeitsprüfung war, als der NABU 45 Heckrinder und Pferde im Elbe Hochwasser hat jämmerlich absaufen lassen! Dass der NABU hier zum Steinewerfer im Glashaus geworden ist, hat mich in der Tat auch persönlich extrem geärgert.
Allerdings rate ich auch in dieser Debatte mehr wie ein Judoka zu denken! Beispielsweise die alte Debatte um ein Umweltgesetzbuch, welches die gesamte Materie der Landnutzung und Umweltgesetzgebung zusammenführt, beinhaltet nicht nur Risiken, ganz im Gegenteil! Es ist doch am Ende nur die Frage, wer die Regeln festlegt! Wieso nehmen wir den Fehdehandschuh nicht mit dem Willen des Besseren auf und stellen uns der Schlacht! Wenn es den Landnutzern nicht gelingt in Agrar-, Forst-, Fischerei- und Jagdbereich die entsprechenden administrativen und politischen Strukturen zu erhalten, dann ist es am Ende eh egal, wie die Regeln aussehen. Nein, auch hier wird es Zeit, dass wir den Vorderlader stehen lassen und zu Repetierbüchse greifen!

DJZ: Wird nicht vielfach übers Ziel hinausgeschossen, wenn zum Beispiel Beiz- Bau- oder Fallenjagd schlichtweg verboten werden soll? Da würde ohne Not viel Wissen und Kultur einfach über Bord geschmissen.


BEYER: Ja, gerade bei der Beiz– und Fallenjagd toben sich bereits seit Jahren die Ideologen in den Umweltverbänden aus. Die Felder liefern geradezu einen Vorgeschmack auf das, was auch anderswo kommen könnte, wenn wir dem nicht rechtzeitig einen Riegel vorschieben. Ich sehe aber gerade hier seit einiger Zeit Hoffnung. Es gibt in der Gesellschaft einen neu entstehenden Drang nach „Wiederentdeckung“ von Natur, insbesondere, wenn das mit einem kulturellen Anspruch verbunden ist. Wir sollen das nutzen und den Menschen vor Augen führen, dass wir Jäger Handwerker sind, die ein großes Stück unseres kulturellen Erbes bewahren und für zukünftige Generation sichern. „De arte venandi cum avibus“, man muss es den Menschen nur erklären, wobei wir auch hier wieder bei der Kampagnenfähigkeit sind!

DJZ: Die Jagd auf Niederwild ist auf einem Tiefpunkt, beim Schalenwild erleben wir das Gegenteil. Reh- oder Rotwild werden quasi zu Feinden erklärt, weil sie an jungen Bäumen herumknispeln. Wird die Jagd nur noch nach forstlichen Gesichtspunkten ausgerichtet?


BEYER: So sehr ich dafür plädiere, dass wir dem realen Gegner gegenüber mobil machen, so sehr plädiere ich zur Abrüstung innerhalb der eigenen Familie der Landnutzer –und zwar auf allen Seiten, ganz besonders aber zwischen den beiden Brüdern Frostwirtschaft und Jagd! Was wir seit nunmehr über 40 Jahren, genau genommen seit Heilig Abend 1971, seit Horst Sterns Bemerkungen über den Rothirsch, an Auseinandersetzungen zwischen Teilen zweier Landnutzergruppen erleben, die beide nicht ohne den jeweils anderen existieren können, hat etwas mit irrationalen Religionskriegen zu tun. Wir können uns diesen Krieg aber nicht mehr erlauben, dafür sind andere Gegner zwischenzeitlich viel zu mächtig geworden! Wenn wir dieses Problem nicht in den Griff bekommen, dann werden am Ende beide verloren haben. Dazu brauchen wir vor allem wieder viel mehr Gelassenheit! Einem Forstkollegen darf nicht der Kaffee aus dem Gesicht fallen, wenn er ein Reh durch den Busch springen sieht, und ein Jäger muss nicht den Untergang des Abendlandes prognostizieren, wenn der ein oder andere Bock auch im Winter zur Strecke kommt. Es gilt auch hier der alte Lehrsatz, den alle Landesvorsitzenden aller politischen Parteien als Ermahnung an die Parteifreunde kennen: „Der Gegner befindet sich außerhalb des Raums!“

DJZ: Ein Großteil der Verpächter sind Landwirte. Früher eher die Partner der Jäger. Heute weht da ein ganz anderer Wind. Sind die Bauern heute noch die Verbündeten der Jäger oder nur die Abkassierer?


BEYER: Wenn wir erlauben, dass die Bauern nicht mehr die Verbündeten der Jäger sind, dann ist nicht nur die Schlacht, dann ist der Krieg verloren! Auch hier gilt, die Aufgabe der Jagd und der Landnutzerverbände ist politisch extrem weit gefasst. Wir kämpfen zusammen für unsere ländlichen Räume, oder wir werden gemeinsam verlieren! Was mir Sorge bereit ist, dass es überall eine Tendenz dazu gibt, Maß und Ziel zu verlieren. Wenn ich sehe, was sich teilweise am landwirtschaftlichen Bodenmarkt tut oder auch welch falsche Anreize die Umwelt und Energiepolitik setzt, dann wird deutlich, dass Abkassiererei mit Sicherheit kein nachhaltiges Modell ist. Es wird langfristig keine rentable agrarische Landnutzung ohne ordnungsgemäße Bejagung der Wildbestände geben, gelegentlich muss man das auch mal etwas deutlicher sagen!

DJZ: Sie haben in Brandenburg den FDP-Wahlkampf mit dem Slogan „Keine Sau braucht die FDP“ geführt und ehrenhaft verloren. Sie stehen noch voll im Saft. Was kommt jetzt. Auf jeden Fall mehr Zeit fürs Jagen?


BEYER: Wir wussten in Brandenburg, spätestens seit der Wahl in Sachsen, dass der „Drops gelutscht“ ist und wir als Landespartei die Mithaftung für die miserable Bundespolitik von 2009 bis 2013 mitübernehmen mussten. Wir haben uns auch deshalb für den „brutalst ehrlichen Wahlkampf“ entschieden und ich stehe dazu. Es freut mich daher, dass Sie von „ehrenhaft verloren“ sprechen. Genau so haben wir es verstanden, ehrenhaft für die Überzeugungen streiten, unabhängig von den Erfolgsaussichten. Ein gutes Motto auch für Jäger. Man kehrt nicht von jedem Ansitz mit Beute zurück, auch wenn man es vielleicht hätte können. Aber auf alle Fälle kommt man von jedem Ansitz ehrenhaft zurück!
In der Tat, mir ist es in den fünf Jahren im Landtag zwar einmal gelungen, Jagdkönig bei der Landesjagd zu werden, aber insbesondere die Ansitzjagd war mehr Opfer als Bestandteil des Terminkalenders. Auch aus diesem Grund hatte ich mit dem Ausscheiden aus dem Landtag im September beschlossen, die Entscheidung über die weitere berufliche Zukunft nicht vor Heiligabend zu treffen, ganz abgesehen davon, dass man nirgends einen freieren Kopf bekommt als auf dem Ansitz!
Ich habe vor einigen Jahren bei einem Grußwort beim Landesjägertag mal gesagt: Ich habe einen Traum! Ich habe den Traum, dass ich eines Tages meinem Sohn beibringen werde, wie man den Rothirsch jagt! Dafür zu kämpfen, dass das auch weiterhin in Deutschland möglich ist, dafür alleine lohnt sich schon ein ganzes politisches Leben!

ForumNaturBrandenburg

Gregor Beyer ist im Hauptberuf Geschäftsführer des Forum Natur Brandenburg (FNB), einer Dachorganisation, in der sich am 14.07.2015 verschiedene Verbände des ländlichen Raumes zusammen geschlossen haben. Die Mitglieder vereint die gemeinsame Überzeugung, dass die über Jahrhunderte hinweg entstandene reichhaltige Kulturlandschaft auch zukünftig nur durch ihre Nutzung bewahrt und weiterentwickelt werden kann. Die Webseite des Forum finden Sie unter:

www.forum-natur-brandenburg.de

Nachfolgend finden sie eine kleine Auswahl von verschiedenen Aktivitäten und Themen, mit denen sich Gregor Beyer zuletzt beschäftigt hat.

Schutz des Schwarzstorches

Der Schwarzstorch ist ein scheuer Vogel und nur noch selten in Brandenburg anzutreffen. Deshalb ist die Art geschützt. Am Rande des Spreewaldes wird darum gestritten, ob für ihn Fischteiche erhalten werden sollen. Auf der Bremse scheint ausgerechnet das Landesumweltamt zu stehen. Gregor Beyer fordert Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) auf, persönlich dafür zu sorgen, dass Mittel aus Ausgleichsmaßnahmen für den Erhalt der Teiche und damit für den Lebensraum des Schwarzstorches eingesetzt werden.

zum Artikel in der Märkischen Oderzeitung

Storchenlüge

Der NABU behauptete in einer Presseverlautbarung, in Brandenburg nehme die Anzahl der Weißstörche kontinuierlich ab. Schuld sei – wie könnte es anders sein – die industrielle Landwirtschaft. Den Brandenburger Bauern blieb die Luft weg. In keinem Bundesland gibt es mehr Störche, wer im Frühjahr über Brandenburgs Dörfer fährt oder Landwirten beim Pflügen zuschaut, bekommt eine Ahnung vom großen, gesunden Weißstorchbestand des Landes. Doch diesmal rief die dreiste Missinterpretation NABU-eigener Zahlen nicht nur die gescholtenen Landwirte, sondern auch Naturschützer und Vogelkundler auf den Plan. Über den Streit können Sie sich auf Facebook unter dem Hashtag

#‎Storchenlüge‬ informieren.

Wolfsmanagement

Wir brauchen eine Obergrenze für den Wolfsbestand in Brandenburg. Die hauptberuflichen Schäfer haben sich gut auf den Wolf eingestellt und werden momentan auch alles in allem angemessen entschädigt. Aber der Wolf holt vermehrt Rinder und Pferde. Wie will die Politik das finanzieren will, wenn ein teures Reitpferd gerissen wird, ist bislang gänzlich unklar. Nicht heute und morgen, aber bald muss eine Grenze definiert werden, da der Wolf unaufhaltsam näher rückt. Die Märkische Oderzeitung (MOZ) hat sich in einem Artikel umfänglich mit dieser Diskussion beschäftigt. Dass darin die Geschäftsführerin einer der größten Lobbyorganisationen in Deutschland argumentiert, dass die Position von Gregor Beyer richtig sei, jedoch, da lobbygesteuert, nicht ernst genommen werden müsse, darf mal wohl schmunzelnd zur Kenntnis nehmen.

zum Artikel in der Märkischen Oderzeitung

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